Antiker „Marmor“-Luxus in den öffentlichen Repräsentationsbauten der Colonia Ulpia Traiana, Xanten

Laufendes Projekt

Finanzierung der Mitarbeiterin durch ein Stipendium der Deutschen Wirtschaft SDW

Beteiligte:
Gedzeviciute, Vilma, Institut für Archäologie, Universität Würzburg
Schüßler, Ulrich, Institut für Geographie und Geologie, Universität Würzburg Schüßler
Liesen, Bernd, Archäologischer Park Xanten

Schon in der frühen römischen Kaiserzeit lässt sich an den Bauten niedergermanischer Städte die aus den Zentren des römischen Reiches kommende Vorliebe für farbige Marmorinkrustationen nachweisen. Auch in der um 100 n.Chr. von dem römischen Kaiser Trajan gegründeten Colonia Ulpia Traiana (CUT, bei Xanten) haben sich zahlreiche Reste von Wand- und Bodenverkleidungen aus weißen und bunten Natursteinen erhalten, die ursprünglich zur luxuriösen Innenausstattung der öffentlichen Repräsentationsbauten gehörten (Kapitol, Hafentempel, Thermen und Forum).
Da in unmittelbarer Nähe von Xanten keine Vorkommen der verwendeten Gesteine anstehen, kann das gesamte Natursteinmaterial als Handelsgut gelten.
Wo kommen aber die in Xanten vorkommenden Weiß- und Buntmarmorsorten her? Werden durch die Römer neue regionale Steinbrüche zur Versorgung der neuen Städte erschlossen? Begnügt man sich mit den einheimischen Gesteinssorten, oder werden Natursteine aus den römischen Steinbrüchen im Mittelmeerraum importiert, ungeachtet der hohen Transportkosten? Wurde in allen öffentlichen Bauten gleichgroßer Aufwand bezüglich der verwendeten Inkrustationsmaterialien betrieben? Oder hat man sich in manchen Bauten auch auf ein kleineres, eventuell nur regionales Sortiment beschränkt?
Zum Beantworten dieser Fragen wurde zuerst eine genaue Bestandsaufnahme und statistische Auswertung von rund 2000 Verkleidungsfragmenten durchgeführt. Zur genauen Definition der petrographischen und geochemischen Eigenschaften der Gesteine, bzw. zur Identifizierung ihrer Herkunft werden zusätzliche naturwissenschaftliche Untersuchungen wie Dünnschliffmikroskopie, Röntgen-Pulverdiffraktometrie, Elektronenstrahl-Mikrosondenanalytik, Röntgenfluoreszenzanalytik, Isotopenanalytik von Kohlenstoff und Sauerstoff zu Hilfe genommen.
Die ersten Ergebnisse zeigen, dass im Gegensatz zur bisherigen Annahme nur ein geringer Teil der in der CUT verwendeten Weiß- und Buntmarmore aus den regionalen Vorkommen stammt: Sandsteine aus dem Ruhrgebiet, Trachyt vom Drachenfels, rote, schwarze und hellbraune Kalksteine. Ein erstaunlich großes Sortiment an Natursteinen ist dagegen unterschiedlichen mediterranen Steinbrüchen zuzuordnen: Cipollino Verde, Verde Antico, Lapis Lacedaemonius, Greco Scritto, Rosso Antico, diverse weiße und graue Marmore, Africano, Pavonazetto, Breccia Corallina, Breccia di Settebasi, Fior di Pesco. Es lässt sich außerdem beobachten, dass die Auswahl des Inkrustationsmaterials für diverse Bauten sehr unterschiedlich ausfällt: So sind für die Wand- und Bodendekorationen der Thermen vorwiegend regionale Kalksteine, Trachyt und ausländische weiße Marmore verwendet worden, während für Kapitol, Hafentempel und Forum ein deutlich größeres Sortiment an exotischen Natursteinen und nur ein geringer Anteil an einheimischen Steinsorten nachzuweisen ist.

Erste Ergebnisse in:

  • Gedzeviciute, V., Schüssler, U., Liesen, B. (2010): Antiker "Marmor"-Luxus in den öffentlichen Repräsentationsbauten der Colonia Ulpia Traiana, Xanten. - Archäometrie und Denkmalpflege - Kurzberichte 2010, in: Hahn, O., Hauptmann, A., ModarressiI-Tehrani, D., Prange, M. (eds.): Metalla, Sonderheft 3: 218-220.